ETU Duathlon European Championships Middle Distance Elite

Dieses Jahr ging es wieder zu den internationalen POWERMAN-Meisterschaften nach Dänemark, diesmal allerdings nach Viborg anstatt nach Vejle.
Ich muss gestehen, im Vorfeld bei der Planung nicht ganz so motiviert gewesen zu sein - 12h Anfahrt, im Gepäck eine gerade erst aufkeimende Form, wenig spezifische (Zeitfahr-)Trainings und eine kleine, aber sehr, sehr auserwählte Damen-Startliste.
Zumindest wollte ich es auf den Versuch ankommen lassen, meine EM-Goldmedaille aus dem Vorjahr zu verteidigen. Zwei Wochen nach der Standarddistanz-WM war ich ganz gut erholt, hatte aber auch eine sehr gute Trainingswoche für die Mitteldistanz in den Beinen.

Ein paar Zahlen zur Vorbereitung - 18 Wochen vor der Mitteldistanz-EM:

  2018 2019  
Laufen 128:42h 120:57h -6,0%
Distanz 1602km 1556km -2,9%
I-KM (<3:30min/km) 200km 219km +9,2%
T-KM (<4:00min/km), exklusive I-KM 189km 183km +8,9%
Rad 142:26h 147:15h +11,3%
Rad-Intensität (Stundenschwelle und darüber) 669min 684min +12,3%
Kraft (letztes Jahr inkl. reinem Mobilisieren) 24:00h 28:45h -8,2%
Gesamt 278:37h 296:57h +1,5%

Während also im Vorjahr die Vorbereitung auf die WM geringfügig umfangreicher und mit mehr Intensität stattfinden konnte, war die Vorbereitung auf die Mitteldistanz-EM, die jahreszeitlich vergleichbar nur eine Woche später im Mai stattfand, etwas "besser" zahlenmäßig aufgestellt. Das ist nur logisch, stand doch in jeder Saison die WM absolut im Vordergrund.

Taktisch ist auf der Mitteldistanz nicht viel zu machen, bei der ungewohnt starken Besetzung muss man einfach zwei sehr gute Läufe abliefern (für mich machbar, solange mich kein Hungerast einholt, Verpflegung auf solch einer langen Strecke ist das Um und Auf), aber vor allem darf ich am Rad nicht zuviel liegenlassen. Gutes Pacing und vor allem exzellente Aerodynamik sind für mich als nicht ganz so starke Radfahrerin die einzige Chance, ganz vorne mitzumischen. Glücklicherweise fühle ich mich auf meinem Zeitfahrer recht wohl - was weniger der sehr radikalen Sitzposition, denn dem Umstand, dass ich im Sommerhalbjahr mindestens einmal pro Woche darauf trainiere, geschuldet ist. Früher bin ich sogar alles auf der Straße am TT gefahren, hatte gar kein Rennrad - aber inzwischen bestreite ich ja meine wichtigsten Rennen mit dem RR, da es Drafting-Rennen sind.
Nach der WM wurde aber ausschließlich das TT genutzt und ich fühle mich auch in der tiefen Position immer wohler.

Die Woche vor dem POWERMAN Viborg konnte ich schon im Norden an der Ostsee bei vergleichbaren Temperatur- und Windbedingungen trainieren, was sicherlich kein Nachteil war.
Sicherheitshalber, nachdem der Bewerb in Vejle letztes Jahr nicht ganz so gut organisiert und ausgeschildert war, hatte ich mir wieder den Streckenverlauf auf den Radcomputer geladen, um mich auch sicher nicht zu verfahren. Was an Training vielleicht ein wenig gefehlt hatte, sollte durch eine hervorragende Wettkampfvorbereitung ausgeglichen werden :D

Diese war auch mehr als nötig. Ich will mich hier nicht zu sehr auslassen, es ist toll, wenn sich überhaupt Veranstalter finden, die sich größtenteils ehrenamtlich mit allen Kräften und nach bestem Wissen und Gewissen bemühen, ein großes Rennen zu organisieren.
Die Laufstrecke war winkelig und auf überwiegend schwierigem, historischem Boden, überraschend hügelig und damit alles andere als schnell. Ein großer Vorteil für mich, je länger alle für den Lauf brauchen würden, desto größer mein Polster fürs Radfahren ...
Die Radstrecke war leider das genaue Gegenteil - sehr flach, dem Wind ausgesetzt und praktisch überhaupt nicht technisch - bis auf ein Kopfsteinpflasterstück direkt vor und nach der Wechselzone. Auch dieser Abschnitt war nicht allzu kurvig, das war mehr eine Frage des Mitleids mit dem Material, wie schnell man sich dort drübergelassen hat.

Der erste Lauf begann gut für mich, rasch konnte ich mich nach vorne absetzen. Nur die mir von der Standarddistanz gut bekannte Britin Georgina Schwiening war knapper hinter mir, sie konnte im Vorjahr immerhin die Bronzemedaille bei der Duathlon-WM holen.
Leider wurden wir dann nach einer von vier Laufrunden beide falsch geleitet und mussten das gesamte Feld neu von hinten aufrollen :(
Mental ist das eine große Herausforderung, da ich jede Sekunde, die ich nach dem Laufen als Guthaben hätte, sehr gut am Rad gebrauchen hätte können. Aber ich nahm das einfach so an, Rennen im Kopf neu beginnen und das Beste daraus machen ist das Einzige, das in so einer Situation hilft.

Georgina und mir gelang es neuerlich, uns abzusetzen. Als Erste kam ich auf die Radstrecke und konnte auch sie rasch auf Distanz halten. Nur die zwei Schweizerinnen, Melanie Maurer und Petra Eggenschwiler holten mich früher als ursprünglich geplant - sie hatten ja bei Weitem nicht so viel Rückstand wie erhofft nach dem Laufen ... - ein.
Ich kann nicht sagen, ob es die Aufholjagd beim Laufen war oder mir die Radstrecke einfach überhaupt nicht lag ... ich fand an diesem Tag meine Radbeine einfach nicht. Gefühlt war ich auf der windigen Strecke ständig im falschen Gang unterwegs, unrhythmisch, überhaupt nicht das gute Gefühl, dass ich sonst am Zeitfahrer habe. Ich war die einzige Dame mit einem Scheibenrad, das war auf der zweiten Runde schon ein wenig eine Challenge, aber durchaus noch gut fahrbar. Meine Leistungswerte waren einfach deutlich schlechter als im Vorjahr - sicherlich ist dies zum Teil den fehlenden Anstiegen, wo ich immer sehr gut und ökonomisch Druck machen kann, geschuldet, aber bei Weitem nicht nur. So konnte mich Dame um Dame einholen, so manche auch mit nicht ganz fairem Abstand zu den Herren, aber andere wiederum einfach, da sie deutlich besser Rad gefahren sind als ich an diesem Tag.
Als wäre das nicht genug, war ich mir dann auch an einer völlig ungesicherten Kreuzung unsicher, ob wir wirklich (meinem Track am Computer entsprechend) abbiegen mussten und fuhr ein Stück Richtung voriger Kreuzung zurück um nachzufragen. Vor mir war jedenfalls ein Athlet, der dort geradeaus gefahren ist, was aus demjenigen geworden ist, weiß ich nicht. Diese Aktion kostete mich jedenfalls den ganzen Vorsprung auf Georgina, aber sicher ist sicher ...

Generell gefallen mir die kürzeren Rennen deutlich besser, nicht zuletzt auch wegen der einfacheren Streckensicherung. Schon beim Laufen war es als Führende oft mühsam, da hinter vielen Kurven auf einmal ungeplante Hindernisse waren (unaufmerksame Fußgänger oder Autofahrer) und am Rad war es noch unangenehmer, da manche Autofahrer einfach absolut nicht einsehen wollten, warum wir nicht überall am Radweg unterwegs waren und dass das immerhin ein Rennen war. Man muss da schon wirklich sehr aufmerksam sein und für andere mitdenken.

Der zweite Wechsel war entgegen dem Ersten einfach nur schlecht. Auf dem Kopfsteinpflaster auf der abschüssigen Strecke bin ich mit Bremsen + Schuheausziehen nicht rechtzeitig fertig geworden, somit musste ich dann einen Schuh noch nach dem Absteigen ausziehen. Seltsamerweise hat jemand mein zweites Paar Laufschuhe "weggeräumt", also in die Box gegeben, obwohl sie davor stehen dürfen. In Wahrheit hatte ich aber schon Schwierigkeiten, den richtigen Wechselplatz und den Ausgang zu finden - so konfus war ich unterwegs. Mit den eingefrorenen Fingern hatte ich dann auch noch Schwierigkeiten, in die Laufschuhe zu kommen.

Der zweite Lauf war dann ziemlich unspektakulär, zwei Konkurrentinnen waren einholbar und somit konnte ich schließlich noch den vierten Platz in einem ziemlich verhauten Rennen ins Ziel retten. 
1,5 Minuten fehlten auf das Podium. Einerseits ist das recht ärgerlich, da ich eine Viertel bis halbe Minute alleine beim zweiten Wechsel verschenkt hatte, völlig unklar ist auch, wieviel das Verlaufen gekostet hat. Andererseits war meine Radleistung an dem Tag einfach auch nicht gut, dafür ehrlich erreicht :D

Gesamtzeit: 3:03:33h

10km Lauf (eher etwas kürzer, inklusive Verlaufen :( ): 33:44min (aber gutes Gefühl hinsichtlich Tempo, beste Laufzeit, Veranstalter sagt 9,76km exkl. Verlaufen ...)
T1: 1:03min (in Ordnung)
60,6km Rad (eigene Distanzmessung deckungsgleich mit Veranstalter): 1:50:14h (33,0km/h, Nonzero 165W - 29W weniger als im Vorjahr, Average 162W - 23W weniger als im Vorjahr, Frequenz 94 - ident mt Vorjahr, könnte besser sein aufgrund ds Streckenprofils, 388Hm)
T2: 1:44min (komplett verhaut, nicht aus dem Radschuh raus und nicht in die Laufschuhe reingekommen - Finger eingefroren, mental irgendwie "draußen")
10km Lauf: 36:48min (zweitbeste Laufzeit, Veranstalter sagt 10,03km)

STRAVA-Link Radstrecke

Gesamtrang: 4.

Alle Ergebnisse gibts auf European Triathlon Union.

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