ETU  Duathlon World Championships Standard Distance Elite

Gegen Ende der Saison - nach den Europameisterschaften über die Standarddistanz sollte es direkt ins Entlastungsmonat gehen – war meine Form leider etwas instabil. Nach dem WM-Titel habe ich zunächst eher Trainings gemacht, die mir viel Spaß gemacht haben, zur EM hin wurde es dann auch wieder „klassisch duathlonspezifisch“. Ich denke nicht, dass der Aufbau schlechter war, aber es gab auch gesundheitlich ein paar „Hochs“ und „Tiefs“, vor allem durch die Pollenallergie, die mir zwischenzeitlich Probleme mit der Lunge machte und das letzte Höhentraining war auch schon über 3,5 Monate her.

Trotzdem bin ich schlussendlich fit nach Ibiza angereist und habe mich am Vortag des Rennens bei der Streckenbesichtigung wirklich gut gefühlt. Die letzten Trainings daheim haben auch auf einen neuerlichen Formpeak beim Laufen hingedeutet, somit war ich durchaus zuversichtlich.

Das Starterfeld würde bei den Damen leider sehr klein werden. Allerdings waren von den ersten fünf der Weltmeisterschaft alle drei Europäerinnen am Start. Vielleicht war damit auch schon das Podium fixiert, denn die Streckencharakteristik war nicht ganz unähnlich.

Warum nicht mehr Damen gemeldet waren? Von einigen Konkurrentinnen wusste ich, dass sie verkühlt oder verletzt waren – leider nicht unüblich nach einer langen Saison. Frankreich wiederum schöpfte bei den Damen nicht gerade das Potenzial aus, indem sie nur eine Athletin schickten und die anderen WM-Teilnehmerinnen zu Hause ließen (nicht ganz verständlich für mich).

Der Kurs verlief beim Laufen direkt am Wasser, teilweise wurde sogar die Uferpromade von den brechenden Wellen feucht. Die Strecke war überwiegend auf unterschiedlichen Formen von Steinböden und –platten, was es teilweise etwas rutschig werden ließ (ich hatte Glück mit den Schuhen, jene, die ich zum Einlaufen nahm, wären dafür leider gar nicht geeignet gewesen) und relativ eng (es war eine Wendepunktstrecke mit Gegenverkehr). Trotz völlig flachem Profil also durchaus nicht ganz leicht zu laufen bei hohem Tempo.

Selbst um fünf Uhr am Abend waren die warm-schwülen Temperaturen beim Laufen noch stark spürbar für mich. Ich mag es lieber kühl-feucht :)

Die Radstrecke war ähnlich – ebenso eine fast flache Wendepunktstrecke aus der Stadt hinaus, allerdings breit genug und überhaupt nicht technisch anspruchsvoll, bis auf die zwei 180°-Wenden pro 5km-Runde.

Der Start-Ziel-Bereich und die Wechselzone waren wirklich schön auf dem Hauptplatz gelegen und versprachen tolle Stimmung.

Der Rest der Organisation war leider etwas chaotisch. Überraschend viele Athleten erhielten eine 15sec-Zeitstrafe beim Start (sie starteten verzögert), da sie entschuldigt, aber zu spät bei der Wettkampfbesprechung am Vortag eingetroffen sind (unentschuldigt würde bedeuten, dass man gar nicht starten darf). Grund dafür war wohl, dass keine Adresse der Örtlichkeit angegeben war und man im Navi unterschiedliche Orte zu der Bezeichnung fand.

Das ist natürlich bitter, wenn dadurch das Rennen schon beim Start erschwert wird. Glücklicherweise hat es mich nicht betroffen.

Die zweite große Überraschung war die Startzeit der Damen – 1min hinter den Herren. Das führt auf so einer kurzen Radstrecke und auch, wenn langsamere Herren dabei sind, zu einem kompletten Chaos.

So war es dann leider auch.

Der Start an sich wurde zunächst um 20min nach hinten, dann wieder um 10min nach vor verschoben. Trotzdem haben wir es alle rechtzeitig geschafft.

Bei der WM konnte ich, direkt nach dem Höhentraining, das Tempo beim ersten Lauf bestimmen und so eine kleine 4-köpfige Führungsgruppe bilden (zu welcher später von hinten Sandra Levenez auffuhr, die einen kleinen Rückstand nach dem Laufen hatte). Meine Erwartung war also, dass die drei gemeldeten Europäerinnen aus den Top5 der WM auch wieder gemeinsam die Führungsgruppe bilden werden – Sandra, meine britische Teamkollegin aus dem Grand-Prix-Team Georgina (Schwiening) und ich.

Gleich nach dem Start gab Sandra das Tempo vor und ich war direkt hinter ihr. Man musste wirklich verdammt aufpassen, dass man ohne gute Sicht auf die Strecke nicht in ein Loch auf dem engen Weg trat – aber dafür hilft der Windschatten etwas. Mir hat er leider nicht genug gebracht, nach knappen zwei Drittel des ersten Laufes musste ich abreißen lassen, um mich nicht komplett zu zerstören. Das Tempo war mir angesichts der Schwüle einfach zu schnell, Sandra zu gut in Form. Auf +/- 4km hat sie mir dann noch 55sec (!) abgenommen, ich bin also nur noch irgendwie in die Wechselzone gekommen (wenn man nicht darauf spekuliert, am Rad noch nach vorne aufzuschließen, ist es auch besser, etwas nachzulassen und mit der nächsten Gruppe mitzufahren, trotzdem bin ich wohl ziemlich langsam geworden …)

Georgina ging noch etwas mit, musste dann aber auch nachlassen. Besser wäre gewesen, mit mir zusammen zu bleiben, sodass wir gemeinsam aufs Rad kommen. So waren wir alle drei alleine.

Die ersten 20min am Rad konnte ich nur bei den Wendepunkten den Abstand nach vorne sehen, aber nicht viel mehr machen, als mich gut zu verpflegen und zügig, aber nicht zerstörerisch zu fahren – man weiß ja nicht, was noch genau hinter einem passiert. Das waren dann trotzdem die intensivsten 20min mit (ohnehin nur) 174W-Durchschnitt.

Nach 20min wurde ich dann von einer 3er-Gruppe eingeholt, mit der starken schweizer Radfahrerin Petra Eggenschwiler im Wind. Dort habe ich mich reingehängt und erst einmal etwas erholt. Bis auf die Antritte nach den Wenden war das Tempo im Windschatten sehr gemütlich zu fahren, aber trotzdem deutlich schneller als ich davor alleine gefahren bin (37,4km/h mit 148W, also für mich „gehobenes Grundlagentempo“ versus 33,7km/h alleine im Wind mit 174W, was ziemlich mittig zwischen Grundlage und Stundenschwelle bei mir ist). Schließlich haben wir auch noch Georgina eingesammelt. Nur Sandra haben wir nicht mehr erwischt, weil Petra, die alles alleine vorne gefahren ist, der Gruppe nicht diesen Dienst auch noch erweisen wollte (verständlich).

Draftingrennen haben eben eine eigene Dynamik und es gehört auch immer ein wenig Glück (und Erfahrung) dazu.

Das Radfahren hat schließlich mein Rennergebnis nicht wirklich beeinflusst, war aber trotzdem leider ziemlich chaotisch. Mehrmals mussten wir Frauen stark abbremsen, weil uns gerade eine größere Männergruppe knapp vor einer Wende überholt hat. Windschattenfahren zwischen Frauen und Männern ist verboten, aber bei den großen Männergruppen trotzdem nicht ganz zu verhindern. Eine Verfolgergruppe aus Männern haben wir sogar überholt, nur um später wieder von rechts und links zurücküberholt zu werden.

Glücklicherweise hat es im Endeffekt das Damenrennen nicht wirklich verzerrt, es hätte allerdings sehr leicht passieren können und das ist einer Europameisterschaft einfach nicht würdig. Frauen und Männer sollten sich nicht die Radstrecke teilen müssen.

Als 5er-Gruppe sind wir gemeinsam zum zweiten Wechsel gekommen. Georgina wechselt ja die Schuhe nicht und war wieder als Erste auf der Laufstrecke, hinter ihr eine Spanierin und dann ich.

Beide konnte ich rasch überholen. Es sah nach einem recht sicheren Vize-Europameistertitel hinter der an diesem Tag für mich wirklich unschlagbaren Sandra Levenez, aus.

Eine Überraschung gab es dann aber noch etwa 2km vorm Ziel, eine andere Spanierin aus der Radgruppe, Irene Loizate, ist auf einmal an mir vorbeigelaufen. Sie war beim ersten Lauf schon extrem stark, ist sie als Letzte von den anderen bei uns dreien abgerissen. Mit ihr hatte ich im Vorfeld nicht gerechnet, da ich noch nie einen Duathlon mit ihr gemeinsam bestritten hatte.

Abhängen konnte sie mich allerdings nicht. Vor dem Zieleinlauf gab es noch zwei Spitzkehren, dazwischen ein leicht abfallendes Stück bevor es im Zielkanal leicht bergauf ging. Das leichte Gefälle nutzte ich als größere Sportlerin zum Beschleunigen, kam vor ihr um die Kurve und sprintete, dann doch mit etwas Abstand ins Ziel.

Kurzfristig war ich etwas verwundert, warum ich auf einmal ein Zielband gespannt vorfand. Viel Zeit zum Überlegen gab es nicht – musste Sandra aufgeben?

Hinterher wurde klar, dass das Band meiner Sprintkollegin galt, die noch in der U23-Wertung startete (aber overall trotzdem Bronze geholt hat!)

Also alles ein wenig chaotisch …

Der zweite Lauf stimmte mich mit dem Bewerb wieder etwas versöhnlicher. Dass ich beim ersten Lauf nicht mitgehen kann, damit habe ich einfach nicht gerechnet. Ich bin ja immer ohne Uhr unterwegs, aber der Vergleich mit den Herrenzeiten und den GPS-Angaben der anderen Sportlerinnen (bei Wendepunktstrecken aber immer etwas zweifelhaft) deuten auf Streckenlängen von um die 10,3km und 5,2km für den zweiten Lauf hin.

Die schnellsten Heren hätten damit 3:00min/km beim ersten Lauf, Sandra 22sec/km und ich 27sec/km langsamer. Beim zweiten Lauf hingegen (Sandra musste nicht mehr alles geben) war ich mit 3:28min/km nur 14sec/km langsamer als der Herrensieger.

Insgesamt hätten wir auf die 15,5km einen Schnitt von 3:05min/km (Herren), 3:27min/km (Sandra) und 3:28min/km (ich).

Egal, ob die Strecke jetzt ein wenig länger oder kürzer war, besonders schnell war sie nicht und der Vergleich zu den Herren, bzw. der Damen untereinander ist für mich das, was zeigt, ob es ein guter Lauf war oder nicht. Mit meinem ersten Lauf kann ich somit leider nicht zufrieden sein, den bin ich etwas zu schnell angegangen, weil es das Rennen einfach so erfordert hat. Da hat es ein wenig gefehlt. Mit dem zweiten Lauf bin ich natürlich hochzufrieden, wobei das Radfahren insgesamt nur mäßig fordernd war.

Mit der Silbermedaille bin ich ebenso zu 95% zufrieden. Das Podium war meine Minimalanforderung, einen Sieg habe ich mir natürlich gewünscht. Ich bin aber stolz, nach den ersten Laufkilometern, als ich schon gemerkt habe, „das wird heute nix“, nicht innerlich aufgegeben zu haben, sondern das Beste aus der Situation gemacht zu haben. Sandra Levenez hat nach der für sie enttäuschenden WM mit dem 5. Platz einfach alles daran gesetzt, wieder Europameisterin zu werden und das hat sie vom Start weg einfach gezeigt. Sie war mir beim Laufen überlegen und ist am Rad die über 40km alleine gefahren, um dann schließlich den Sieg ins Ziel zu laufen.

Sie hat alles riskiert und verdient gewonnen.

Das Höhentraining davor hat sicherlich auch etwas geholfen. Auch, wenn der Effekt nicht perfekt in Zahlen messbar ist, aber sie hat mich zweimal in den letzten beiden Jahren bei der EM beim Laufen abgehängt, mit Rückkehr aus der Höhe nur Tage zuvor. Kamen wir (bei der WM) beide direkt aus der Höhe, sah es umgekehrt aus.

Ich denke aber auch, dass es in diesem Falle einfach auch der extrem starke Wille war, 2018 noch einmal ein richtig gutes Rennen zu haben und das hat man vom Start weg gemerkt. Ihr Kopf war an dem Tag stärker als meiner :)

Mir gibt es die Motivation, weiter an beiden Disziplinen zu arbeiten, um 2019 wieder wirklich fit am Start zu stehen. Dann auch wieder als Erste der Weltrangliste :)
Jetzt wird aber erstmal etwas erholt.

Gesamtzeit: 2:01:53h

Ca. 10,3km Lauf: 35:39min
T1: 0:24min
40,9km Rad: 1:07:19h (36,3km/h, 154W, 161 Nonzero, 170NP, 97U/min, - insgesamt deutlich weniger fordernd als bei der WM, STRAVA-Link )
T2: 0:23min
Ca. 5,2km Lauf: 18:06min

Platzierung gesamt: 2. - EM-SILBER

Alle Ergebnisse gibts auf International Triathlon Union.

Video dazu:


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