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ETU Duathlon European Championships Standard Distance Elite

Mein erster Saisonhöhepunkt fand dieses Jahr in Soria/ESP statt, rund zwei Autostunden nordöstlich von Madrid entfernt.
Auch, wenn die letzte intensivere Trainingswoche etwas durchwachsen war (möglicherweise war der 4-Wochen-Belastungsblock insgesamt - noch - etwas zu lange und/oder zu hart, vielleicht hat aber das überaus wechselhafte und sehr winterliche Wetter zuletzt auch noch die Regeneration und auch den Kopf behindert), so fühlte ich mich am Renntag gut, fit und sehr motiviert, zumindest aufs Podium zu laufen.
Die Anreise war erfreulich unkompliziert, unser Hotel wie schon im Vorjahr in Aviles schön außerhalb der Stadt mitten in einem Biosphärenpark gelegen, das Wetter sehr kühl und angenehm zumindest fürs Laufen.

Am Vortag des Rennens habe ich noch an der offiziellen Streckenbesichtigung teilgenommen (leider am Rad recht gefährlich, da trotz Ausschreibung exklusiv für die Elite Athleten viele Age Grouper mit dabei waren - die ohnehin eine andere Radstrecke hatten ... und die Gruppe am Rad viel zu groß und vor allem zu unkoordiniert war ... :( ).
Der Radkurs ist leicht wellig mit kurzen, steilen Anstiegen, die sich perfekt für Attacken eignen und zudem recht windanfällig - also sobald man abreißen lassen muss, würde es schwierig werden, wieder heranzukommen. Weite Teile der Strecke sind nicht sehr technisch, nur direkt um die Wechselzone herum würde das Kopfsteinpflaster mit großen Steinplatten und Schwellen auf der Straße auf dem leicht abfallenden Stück, noch dazu direkt vor einer scharfen Kurve, insbesondere bei Nässe recht gefährlich werden können.
6mal war der Radkurs zu absolvieren.

Die Laufstrecke ist auch sehr spannend, man läuft großteils durch einen Park mit Alleen und musste pro 2,5km-Runde 6 Spitzkehren absolvieren, zwischen denen es jeweils leicht bergauf oder leicht bergab geht. Insbesondere die 180°-Wenden schmerzen bei hohem Tempo sehr.

Soria liegt auf knapp 1100m über dem Meeresspiegel, also ist auch ein Höheneffekt zu spüren. Ich wollte unter anderem auch deshalb das Rennen defensiver angehen und keinesfalls beim ersten Lauf den Wettkampf gestalten (genau andersrum als in Frankreich beim Grand Prix vor 3 Wochen), einmal Tempo überzogen und man erholt sich in der Höhe kaum mehr. Am Rad würde sich das unter Umständen ohnehin nicht gut vermeiden lassen.
Dazu kommt mein immer noch vorhandener Respekt vor der Wettkampfdauer. Das Radrennen eine Woche zuvor hat mir (trotz Hungerast, doch der ist ja vermeidbar) aber recht viel Selbstvertrauen gegeben - fast genauso wie mein schneller Halbmarathon Ende März (auch wenn ich denke, dass der Effekt vom Höhentraining schon wieder abgenommen hat).
Zu gewinnen war das Rennen ohnehin erst beim zweiten Lauf. Dort habe ich ja bisher leider Bewerbe eher verloren als gewonnen. Für diesen Abschlusspart gilt es, die Beine so gut als irgend möglich zu schonen, ohne aus der Führungsgruppe herauszufallen.

Das Startfeld war recht klein, was sich auch dadurch erklärt, dass überrundete Athleten immer herausgenommen werden. Das letzte Stück der Rad- und Laufrunde war ident, sodass selbst am Rad nicht-überrundete Athletinnen das Rennen nicht beenden dürfen, wenn sie rund 8min hinter der Spitze in die zweite Wechselzone einfahren möchten. Das ist bei einem 2h-Rennen schon sehr knapp bemessen. Insbesondere für einige U23-Athletinnen dürfte das schwierig werden (schlussendlich haben es 3 von 17 Starterinnen nicht geschafft).

Mit der genialsten Startnummer (der 1) durfte ich das Rennen starten. Meine Prognose sah ein wenig anders als jene der ETU aus. Ich tippte auf eine 6er-Führungsgruppe von 3 Französinnen (Sandra Levenez, Chuberre Dode und die U23-Athletin Picard), 2 Spanierinnen (Mavi Garcia und Bejarano) und mir :)
Davon würden sich (hoffentlich) am Rad drei Mädls absetzen können (Sandra, Mavi und ich ...).
Wir drei würden uns dann beim zweiten Lauf die Podiumsplatzierungen ausmachen, so der Plan (also ähnlich wie in Frankreich zuletzt, nur, dass wir idealerweise gemeinsam in die Wechselzone kommen ...).
Die Unsicherheit war aber natürlich auch, wie die unterschiedlichen Athletinnen mit der Höhenluft umgehen können.
Wetterbedingungen waren perfekt für mich, etwa 10 Grad, bedeckt, manchmal leichter Regen. Leider gab es trotzdem ein Verbot langer Hosen, nur obenrum durfte man langärmelig starten. Für mich ist das nix, deshalb hab ich mich dann wenigstens für die Kompressionsstümpfe entschieden, um die Waden warm zu halten. Die musste ich dann auch noch verkehrt herum tragen ("Werbung", obwohl es ja eine Bekleidungsmarke ist, bei einer anderen Athletin wars kein Problem ... also immer mal wieder etwas Neues ;) ).

Der Rennverlauf war dann - leider - völlig anders als geplant. Gleich von Beginn weg zeigte Sandra Levenez, dass sie dieses Rennen dominieren möchte. Vor drei Wochen noch konnte ich problemlos das Laufrennen bestimmen, das war auf dieser Strecke jetzt nicht mehr möglich. Gut möglich, dass sich Sandra auch ganz speziell auf die Höhenluft und auch die Spitzkehren vorbereitet hat.
Zu Beginn war eine ganze Traube an Läuferinnen um sie herum, ich konnte mir aber rasch die zweite Reihe sichern (viel Windschatten spendet sie ja trotzdem nicht :) ). Allerdings wechselten wir nicht wie erwartet zu sechst aufs Rad, sondern nach und nach fielen Läuferinnen aus der Spitzengruppe heraus. So auch Mavi Garcia, die dann sogar einen beachtlichen Rückstand nach dem Laufen hatte.
Ich konnte irgendwann auch nicht mehr Sandras Tempo halten, ohne mich wirklich komplett beim ersten Lauf zu zerstören. Ich änderte meine Taktik und rechnete damit, dass Mavi am Rad dann rasch auf mich aufschließen würde und wir gemeinsam Sandra einholen würden. Also habe ich gegen Ende des ersten Laufsplits meine Beine möglichst gut geschont und bin mit einer guten Viertelminute Rückstand als Zweite aufs Rad.

Nach einem guten Wechsel habe ich auch schnell ins Radfahren gefunden. Überraschend lange hat Mavi auf sich warten lassen, fast eine Dreiviertelrunde, vermutlich hat ihr der erste Lauf stark zugesetzt. Gar nicht gerechnet habe ich aber damit, dass sie nicht alleine kommt. Sie hat eine ganze Gruppe gezogen, ist also doch sehr spät in die erste Wechselzone gekommen. Nicht mein Wunschszenario, aber auch noch kein Drama.
Leider hat sich die Radgruppe dann als die Schlechteste, die ich jemals erlebt habe, entpuppt. Klar, jeder versucht für sich das Rennen zum möglichst Positiven zu gestalten, aber wenn vorne eine Athletin einholbar ist, sollte das - gemeinsame - Ziel klar sein. Anstattdessen wurde überhaupt nicht zusammengearbeitet, schlimmer noch, es wurde absichtlich den anderen das Leben schwer gemacht (Schlangenlinien, um Windschatten für die hinteren zu vermeiden, sinnlose und aussichtslose Attacken, ...).
Im Endeffekt war es so, dass entweder die unter ITU-Flagge startende Michelle Flipo vorne gefahren ist (aber überhaupt nicht auf Zusammenarbeit bedacht), oder ich, weil mir hinten schon extrem kalt geworden ist.
Blöderweise hat sich recht früh auch noch Mavi Garcia nach vorne verabschiedet, genau in einem Moment, als ich eingesperrt war und nicht rechtzeitig an ihr Hinterrad konnte. Aus ihrer Sicht völlig verständlich, mit so einer Gruppe will niemand freiwillig fahren und dass wir sie wieder einholen, war unwahrscheinlich bei der nicht vorhandenen Zusammenarbeit. Ich hab dann noch erfolglos versucht, das Loch zuzufahren, natürlich - wieder - alleine.
Gegen Ende hin konnte die zweite bessere Radfahrerin der Gruppe, Flipo, dann auch noch entkommen. Es war echt zum Verzweifeln. Wenn man grad vorne fährt, bekommt man viel zu spät mit, wenn jemand attackiert. Die Hinterradkleber habens leichter, ließen sich dann aber doch auch wieder nach ihrem eigenen Abreißen von mir ziehen ... um vor dem Laufen nicht ganz einzufrieren, habe ich diese Aufgabe eben übernommen ...

Als vierte hinter Levenez, Garcia und Flipo bin ich zum zweiten Wechsel gekommen. Meine Finger waren so eingefroren, dass dieser dann nicht ganz so flott war, aber noch ok. Das Laufduell mit Chuberre Dode konnte ich für mich entscheiden, gegen die erholten Beine der jungen Picard (welche den schnellsten zweiten Laufsplit für sich beanspruchte) hatte ich aber keine Chance. Auch Flipo konnte ich gerade so nicht mehr einholen.

So wurde es der - zugegebenermaßen sehr enttäuschende - fünfte Platz für mich. Beim Laufen war ich voll dabei, Taktik wüsste ich selbst hinterher keine Bessere, aber die Radgruppe war einfach zum Vergessen. Damit muss man bei Drafting-Rennen einfach rechnen und leben. Vielleicht hätte ich mehr Glück gehabt, so ich versucht hätte, mehr Vorsprung vor der Gruppe zu haben, in der Hoffnung, dass Mavi ausreißt, bevor sie mich erreicht haben. Aber schwierig, das im Nachhinein durchzuspielen.
Fix für mich ist, ich brauche mehr Erfahrung bei Radrennen. Ich habe mich im Feld zwar schon ganz gut und vor allem besser als früher behauptet, aber gegenüber den beiden Ausreißerinnen hatte ich dann doch Defizite. Die gilt es, auszumerzen. Leistungsmäßig wäre ich eigentlich schon ganz gut dabei gewesen, trotz des extrem unrhythmischen Rennens in der Höhenluft konnte ich auf 1W genau dieselben Werte wie bei der WM letztes Jahr fahren (und trotzdem nachher noch gut laufen, was natürlich extrem wichtig ist).

Abschließend muss man auch sagen, vor einem Jahr noch hätte ich mich wie verrückt über diese Platzierung gefreut. Aber in dem Jahr ist halt so viel weitergegangen, dass meine Ansprüche aufs Podium sicher nicht komplett daneben waren. Es reicht halt oft ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit oder auch Pech, und es verändert alles.
Auf der anderen Seite: Eine Sandra Levenez macht das Rennen von vorne - alleine, ohne taktische Spielereien. Da gilt es, eben auch hinzukommen, dann kann es einem wurscht sein, ob irgendeine Gruppe vernünftig oder unvernüftig agiert :)
Auch der Vergleich mit der WM letztes Jahr zeigt eine deutliche Verbesserung. In der Führungsgruppe vom Rad kommend habe ich dort beim zweiten Lauf das Rennen "verloren", also ich wurde Fünfte von fünf Athletinnen der Gruppe. Dieses Mal, obwohl ich subjektiv "nicht mehr laufen konnte vor Kälte und Müdigkeit" konnte ich noch einen verhältnismäßig sehr guten zweiten Lauf zeigen (nicht zuletzt aufgrund der enthusiastischsten Anfeuerungsrufe von Stefan, die ich jemals gehört hab :D).
Also ich weiß, woran ich arbeiten muss und blicke zuversichtlich nach vorne - natürlich auch zur WM im August!

Gesamtzeit: 2:03:44h - 2:46min hinter der Siegerin

10km Lauf: 35:16min (genaue Streckenlänge unbekannt)
T1: 19sec
37,4km Rad (eigene Distanzmessung): 1:09:14h (32,5km/h, NP 179W, Nonzero 176W, Average 169W - 3,25W/kg, 496Hm)
T2: 23sec
5km Lauf: 18:30min (genaue Streckenlänge unbekannt)

Gesamtrang: 5.

Alle Ergebnisse gibts auf European Triathlon Union.