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Staatsmeisterschafts-Hattrick auf der Duathlon-Kurzdistanz

ITU  Duathlon World Championships Standard Distance Elite

Meine erste Weltmeisterschaft habe ich nun auch in den Beinen :)
Das erste Mal hätte ich schon 2014 starten dürfen, aber nachdem die Qualifikation dafür nur 2 Wochen vor dem Bewerb stattgefunden hat, ging sich das leider damals nicht aus. 2015 hat es mich zwar sehr gereizt, im Oktober nach Australien zu fliegen, aber die Kosten für 2 Personen, Radtransport, die weite Anreise mit entsprechend Zeit davor und vielleicht Urlaub danach – das ist nicht ganz einfach umzusetzen, vor allem für Mann und Betreuer mit beschränkten Urlaubstagen.
Ein sehr gutes „Trostpflaster“ war dann der 2016-Termin in Spanien ein Dreivierteljahr später.

Die Anreise war nicht ganz so einfach, wie bei der EM 2015, als in Alcobendas der Wettkampfort direkt neben dem großen Flughafen Madrid lag. Diesmal führte uns die Reise nach Aviles in Asturien an der Nordküste, wobei wir auch nach Madrid flogen und dann mit dem Mietwagen weiterreisten – um keine Risiko bezüglich Radverlust beim Anschlussflug einzugehen.
Die knappen 5h Fahrt führten uns auch zum Dank an schönsten spanischen Landschaften und Gebirgszügen entlang. Das Quartier war Dank völliger Abgeschiedenheit nicht leicht zu finden, was in der Vorbereitung auf den Bewerb für mich sehr angenehm ist. Ein bissl Ruhe und Urlaubsfeeling gehört einfach dazu, um sich entsprechend an das Wetter zu gewöhnen und die nötigen Kräfte zu sammeln.

Ein besonderes Highlight war auch die gemeinsame Streckenbesichtigung mit den anderen Elite-Startern (Herren + Junioren waren auch dabei). Auf der relativ stark frequentierten Straße wurden wir von der Polizei eskortiert, Kreuzungen für uns neu geregelt und am Streckenrand gab es eine Stimmung mit Zuschaueranfeuerungen, welche man sonst nicht einmal von Bewerben selbst kennt :)
Das war schon wirklich toll.
Die Laufstrecke führte entlang eines Flusses auf verkehrsfreier Strecke – ähnlich unspektakulär und fast flach mit einer 180°-Wendung pro Runde.
4 Runden Laufen – 6 Runden Radeln – 2 Runden Laufen

Ich war auch gar nicht besonders nervös im Vorfeld, eigentlich nur voller Vorfreude. Das Feld ist so dicht, bei der WM noch mehr als bei der EM, sodass wirklich alles je nach Rennverlauf, Tagesverfassung und auch Glück passieren kann (das Pech war ja schon bei der EM auf meiner Seite, noch mal einen Patschen brauche ich nicht … ).
Meine Erwartung war wie immer – ein gutes Rennen abliefern, im Rahmen meiner Möglichkeiten das Maximum herausholen, damit ich im Nachhinein mit mir zufrieden sein kann.
Beim Briefing am Vorabend wurde mir dann bewusst, dass man recht stark Gefahr laufen würde, überrundet zu werden - jede, die es ins Ziel schaffen möchte, darf sich nicht mehr als ca. 7min Rückstand auf die Führende nach erstem Lauf und Radteil leisten, denn die Laufrunde beim zweiten Lauf war nur rund 2,2km lang … (glaubte ich zu dem Zeitpunkt recht ehrfürchtig).

Bei guter Zusammenarbeit in einer Führungsgruppe am Rad kann das, so man alleine fahren muss, schon sehr schnell passieren. Jeder Wettkampf hat da seine ganz eigene Charakteristik und andere Strecken- und Startfeld-Verhältnisse erfordern eine andere Taktik. Spannend irgendwie, aber halt auch ein gewisser Druck.

Meine Prognose war, dass sich eine Führungsgruppe von ca. 9 Athletinnen herauskristallisieren wird (bei der ich hoffentlich dabei wäre) und die Verfolgergruppe dann aber auch 7 oder mehr Sportlerinnen stark ist. Das bedeutet, dass man auch ganz vorne sehr gut zusammenarbeiten muss, um nicht von starken Radfahrerinnen, die nicht so gut laufen können, eingeholt zu werden.
Große Gruppen können gerade für gute Läuferinnen und schwächere Radfahrerinnen Gold wert sein und mein Ziel war natürlich, vernünftig zu fahren, die Beine nicht müde zu machen und trotzdem den Vorsprung auf die Verfolgergruppe helfen zu halten. Aber zu viel Einsatz lohnt sich nicht, denn wer beim ersten Lauf hat abreißen lassen müssen, wird beim zweiten Lauf auch eher nicht schneller sein als ich. Also lieber eine größere Gruppe am Rad, als tote Beine hinterher beim Laufen.

Ein wenig verunsichert war ich noch wegen der Kombination Wetter + erlaubte Bekleidung. Es gab ja keine Startnummern zum Umbinden, sondern Body-Tattoos in Verbindung mit der ITU-Wettkampfkleidung mit Namen + Nation aufgedruckt.
Das bedeutete aber, dass man nichts Langärmeliges und keine dünne Unterziehhose tragen darf, da dies die Startnummernmarkierung auf Armen und Beinen verdecken würde. Ich hab mir eigentlich kaltes und regnerisches Wetter gewünscht, aber ziehe dann ganz gerne, besonders wegen des Radfahrens, dünne, lange Bekleidung unter dem Wettkampfanzug an. Das geht mit Body-Tattoos nur mit Ausnahmeregelung, welche nur bei wirklich kaltem Wetter erteilt wird. Die Bedingungen sind zwar für alle gleich, aber manche mögen halt Hitze lieber, manche Kälte und ich eben Sauwetter + körperbedeckende Kleidung. Aber es ist ohnehin nicht zu ändern :)
In der Früh bin ich noch ein bisschen locker eingejoggt, das hat sich für mich so bewährt. Dann gemütlich zum Einchecken, der Start erfolgte erst um 16Uhr.

Wetter war dann überraschend warm, also keinerlei Bekleidungsproblem :)
Es kommt doch immer anders als man denkt …
Stimmung war grandios, spanisch eben. Aber nicht nur die Spanier(innen) wurden angefeuert, genauso oft hab ich meinen Namen oder „Austria“ rufen gehört. Supergenial einfach.
Das Tempo war von Beginn an eher … arg schnell und auch – wie gewohnt beim Duathlon – unrhythmisch. Aber ich fühle mich gut beim Laufen und obwohl ich schon recht kämpfen musste, konnte ich in der überraschend klein geschrumpften Spitzengruppe von 5 Athletinnen bleiben (und außerdem waren nur 3 davon die von mir Erwarteten …).

Am Rad wurde in 4,5 von 6 Runden schön in der Gruppe zusammengearbeitet, bevor es einen Ausreißversuch der Spanierin gab. Dieser war zwar – wie zu erwarten war – erfolglos, kostete mich aber ordentlich Körner für den abschließenden Lauf. Ich hoffte, allen anderen auch, aber mich scheint es besonders erwischt zu haben, ich musste am Längsten ein entstandenes Loch wieder zufahren.
Die letzten 1 ¼ Runden wurde dann wieder eher gebummelt und niemand hat dem anderen mehr so recht getraut. Trotzdem sind wir geschlossen zum zweiten Wechsel gekommen.

Der war bei mir wie der erste Wechsel ganz gut, aber die Beine leider ziemlich im Eck. Also nicht so, dass ich gar nicht mehr in den Schritt hineingefunden hätte, aber kein Vergleich zum ersten Lauf. Ich hab dann versucht, nicht kopflos anzulaufen, um keinen Krampf zu riskieren und eher sukzessive ins Rennen zu finden. Insgesamt wollte ich halt doch meinen recht sicheren fünften Platz ins Ziel bringen, um wenigstens bei einer internationalen Meisterschaft ein gutes Ergebnis als Bestätigung zu bekommen.
Recht bald tauchte aber die zurückfallende Deutsche Sieburger auf, und ich konnte sie einholen. Etwa eine der zwei Runden machte ich das Tempo, sie konnte leider folgen, also reduzierte ich den Einsatz. Erst auf den letzten ca. 800m attackierte ich noch mal, um zu sehen, ob sie mitkommen kann – leider ja :)
Schlussendlich hab ich das direkte Duell verloren und bin knapp hinter ihr ins Ziel – mit immerhin noch der viertbesten Laufzeit um zwei Sekunden, die Sechstbeste Laufzeit war dann schon über 30sec langsamer.

Der zweite Lauf war doch streckenmäßig etwas länger als gedacht, da die längere allererste Laufrunde nach dem Start durch einen veränderten Wendepunkt ausgeglichen wurde. Trotzdem schafften es fünf Athletinnen nicht ins Ziel.

Mit dem fünften Platz bei einer WM, die auch wirklich deutlich stärker als die EM in Deutschland besetzt war, bin ich überglücklich. Natürlich ruhe ich mich darauf nicht aus und arbeite vor allem fleißig am Laufen, um dann noch etwas mehr Spielraum für den zweiten Lauf zu haben. 10km sind für mich schon recht lang, 15km eben noch länger. Da fehlt noch bissl etwas. Aber trotzdem – ich habe es nicht nur in die Top5 geschafft, sondern auch viele andere sehr starke Athletinnen, etwa auch die amtierende Europameisterin Priarone, geschlagen. Jedes Rennen ist anders und die Dichte groß, da kann eben viel passieren – in positive, wie auch negative Richtung.

Für heute bin ich einfach glücklich :)

Gesamtzeit: 1:57:48h

10km Lauf: 35:21min (genaue Distanz unklar - auch kein GPS dabei, tippe aber auf ca. 20-30sec langsamer/länger als die wahrscheinlich recht korrekte EM-Strecke in D, auch im Vergleich mit anderen Athletinnen - vielleicht haben auch nur die paar Rampen und Kehren mehr gekostet)
T1: 22sec (1sec langsamer als die Siegerin)
39km Rad (nach meinem Radcomputer): 1:02:48h (gleich mit Siegerin, 37,2km/h, NP 178W, Nonzero 175W, Average 169W - 3,25W/kg, Höhenmessung ausgefallen)
T2: 22sec (1sec langsamer als die Siegerin)
5km Lauf: 18:54min (Distanz wieder unklar, Siegerin war aber dann doch genau 1min schneller als ich ... aber immerhin ist sie auch Bronzemedaillengewinnerin bei den letzten Olympischen Spielen im Triathlon gewesen ...)

Platzierung gesamt: 5.

Alle Ergebnisse gibts auf International Triathlon Union.

Fotos von Stefan Jeschke