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ITU  Duathlon World Championships Standard Distance Elite

Direkt von Flagstaff/Arizona ging es am Mittwoch vor der Duathlon-WM am Samstag nach Penticton/Kanada.
Die Zeitzone war dieselbe, die Anreise trotzdem nicht unanstrengend (7h Autofahrt nach Los Angeles, 2,5h Flug nach Vancouver, 4h Autofahrt zum Quartier in British Columbia).

Vor allem, wenn man gerade aus dem amerikanischen "Wilden Westen" kommt, empfindet man Kanada als "fast wie zu Hause". Die beeindruckend dichten Nadelwälder auf schroffen Berghängen könnten sich genausogut in Österreich befinden.
Die Straßen sind deutlich besser als in Arizona, das Wetter eher nicht, zumindest nicht aus meiner Perspektive.
Es war extrem heiß (35°C+) und seit vielen Wochen ist kein Regen gefallen, wodurch es zu heftigen Waldbränden in British Columbia gekommen ist. Je weiter wir von Vancouver nach Osten gefahren sind, desto rauchiger wurde es.
Die Luftqualität ist lokal sehr unterschiedlich und von aktuellen Bränden, Wind, Tageszeit abhängig.
Bei der Streckenbesichtigung (8Uhr früh am Vortag) war nichts zu bemerken. Ich hoffte, das würde beim Rennen auch so sein.

Sehr erfreulich war schonmal, dass die Befahrung der Radstrecke für die Elite streng getrennt von den AgeGroupern (die ohnehin - wie fast immer - eine andere Strecke haben) stattgefunden hat. Leider ist es da bisher immer wieder zu gefährlichen "Rennszenen" schon vor dem eigentlichen Event gekommen, die Gruppengröße ist einfach zu unübersichtlich und der Ehrgeiz vieler deutlich zu groß.
Das Profil kannte ich vorher schon und ich hatte Angst, die ursprünglich für eine flache Strecke gedachte Rennübersetzung könnte zu hart sein. Aber so heftig waren die Anstiege (mit Triple :D) nicht, alles mit 30-23 gut fahrbar (ich hatte 11-23 hinten montiert).
Die Laufstrecke war noch nicht abgesperrt, würde aber unspektakulär auf 4 Runden hin und zurück zur Wechselzone gehen.

Am Wettkampftag war es leider in der Früh sehr rauchig und leicht wolkig. Für die Lunge war das eine spürbare Belastung, der aufkommende Wind hat die Situation allerdings noch verbessert. Dadurch waren dann aber auch die Wolken weg und es wurde sehr heiß.
Wie immer wurde sehr schnell gestartet, wobei diesmal das Tempo in einem Bereich lag, den ich der schnellen Italienerin Sara Dossena absolut zutraue (vom HM umgerechnete 10km-Leistung von 32-niedrig). Im Vergleich mit den Herren (beste Laufzeit 30:56min, also relativ "langsam", war wohl eher nicht zu kurz) ist die Leistung der Damen-Führungsgruppe mit 33:30min somit wirklich beachtlich. Das Tempo konnten nur Britin Emma Pallant und Australierin Felicity Sheedy-Ryan mitgehen.
Ich musste leider abreißen lassen, um mich nicht komplett abzuschießen. Gemeinsam mit der jungen Britin Georgina Schwiening, die erstaunlich gut gelaufen ist, bin ich zum ersten Wechsel gekommen. Zu dem Zeitpunkt habe ich das vor einem Jahr anvisierte Podium, das allerdings aufgrund der Startliste in weite Ferne gerückt ist, eigentlich schon abgeschrieben. Allerdings kann wirklich immer alles passieren, vor allem am Rad ... und das ist es eigentlich auch.

Die Britin ist den Anstieg beim ersten von fünf Malen völlig verrückt gefahren, weil sie nach vorne aufschließen wollte (zu hart für uns beide, ich habe sie dann aber doch noch ziehen lassen). Ich habe leider bei den ganzen Positionskämpfen, vor allem in der ersten Hälfte des Radsplits, auch viel zu viele Körner gelassen, im Rückblick hätte ich es defensiver angehen können und sollen. Aber im Endeffekt will ich auch wirklich etwas riskieren und manchmal hat man ja auch Glück, dass es sich auszahlt.

Von hinten wurde ich von der jungen Französin Lucie Picard eingeholt, die in der U23-Wertung direkt die Britin als Konkurrenz hatte. Bergauf hatte ich Mühe, an ihr dranzubleiben, im Flacheren oder bergab war sie keine Hilfe. Deshalb wurden wir dann auch von der radstarken Spanierin Mavi Garcia eingeholt.
Zunächst konnte ich die Attacken problemlos mitgehen, Schwiening wurde eingeholt, Picard ist abgerissen, wir haben dann auf die zwei aus der Führungsgruppe, Dossena und Pallant aufgeschlossen. Nur Sheedy-Ryan ist schon nach vorne entkommen.
Bis auf Gold war somit wieder alles möglich.
Technisch waren Garcia und ich eher überlegen, bergauf waren wir alle auf ähnlicherem Level. Allerdings genügt leider eine kleine Unachtsamkeit oder man ist gerade an einer blöden Position und bei einer Attacke von Garcia (wie zu erwarten) habe ich dann den Anschluss verloren. Dossena musste wegen Defektes aufgeben.
Nach einiger Zeit alleine ist wieder die junge Picard aufgeschlossen ... also eine ähnliche Situation wie zu Beginn, wir zwei zusammen und jetzt nur mehr drei statt vier Starterinnen vor uns.
Zu diesem Zeitpunkt war ich leider schon ziemlich kaputt, die erste Rennhälfte war wirklich brutal. Ich würde es aber wieder so machen, immerhin habe ich mir dadurch die Chance aufs Podium offengehalten - nur könnte ich noch lernen, trotzdem schlauer und ökonomischer zu fahren. Etwas mehr Erfahrung in taktischen Radrennen würde dabei sicherlich behilflich sein.

Beim zweiten Lauf hatte ich dann nichts mehr zu gewinnen (Picard ist wesentlich frischer weggelaufen als ich ... wie schon bei der EM) oder zu verlieren (Schwiening war schlussendlich 5,5min hinter mir). Nachdem sich leider auf beiden Füßen riesige Blasen abgeschält haben (Wasser in den Schuhen ab KM 1 ...) war mir das nur Recht. So konnte ich zumindest etwas die tolle Stimmung und Anfeuerungsrufe genießen.

Schlussendlich war es zwar "nur" der fünfte Platz, also ident mit dem Vorjahr. Allerdings war die Besetzung sehr stark und vor allem der erste Lauf ein echtes Gemetzel. Ich war beim ersten Lauf nur knapp über drei Minuten hinter dem schnellsten Herren, das ist mir noch nie gelungen (letztes Jahr sind die Herren rund 15sec schneller gelaufen, ich um 1:15min langsamer auf den 10km). Es gab also augenscheinlich nicht nur am Rad (früher wäre ich am Berg unbewaffnet gewesen), sondern auch beim Laufen eine Verbesserung - ein Jahr zuvor hätte ich das Tempo nicht annähernd laufen können. Das Höhentraining hat bestimmt maßgeblich dazu beigetragen - da hat man auch den Vorteil, kurze Belastungsspitzen besser zu verkraften, weil man sich einfach schneller erholt.
Auch habe ich Gegner geschlagen, die früher immer vor mir waren - darunter auch Mitfavoritin Sandra Levenez - die Französin hat noch bei den Europameisterschaften im April eindrucksvoll gezeigt, dass man an ihr weder beim Laufen, noch am Rad vorbeikommt und sie ist jetzt beim höheren Lauftempo abgerissen.

Leider sieht die Einlaufliste aufgrund der Regelung, dass überrundete Athleten aus dem Rennen genommen werden, extrem mager aus. Von ursprünglich rund 25 Starterinnen sind nach Veröffentlichung der Radstrecke nur 14 übriggeblieben. Ist die Runde eher kurz (8km diesmal) und sehr hügelig (Drafting bringt weniger, Feld zieht sich weit auseinander), ist die Wahrscheinlichkeit einer Überrundung deutlich größer. Das ist für Athleten sehr frustrierend, wenn sie dann nicht mehr ins Ziel kommen - und auch die Reisekosten sind da sicher oft ein Argument.
Schlussendlich kamen nur 8 ins Ziel, wobei die letzten zwei eigentlich gar nicht mehr hätten laufen dürfen, da sie mit dem Rad erst nach der ersten Läuferin in die Wechselzone gekommen sind ...
Das ist sehr schade, da nicht nur das Preisgeld nicht komplett ausgeschüttet wird, oft das U23-Podium nicht voll besetzt ist und so kleine Starterfelder bei einer WM halt doch eher "mickrig" aussehen. Auch die Renndynamik ist eine andere.
Mich hat das glücklicherweise nicht betroffen, aber ich hatte auch andere Ziele :)
Im Herbst werde ich mir meine Strategie für nächstes Jahr überlegen, fürs Erste bin ich aber sehr zufrieden mit der Saison.

Gesamtzeit: 2:09:52h

10km Lauf: 34:04min (sehr zufrieden, auch, wenn es leider diesmal nicht für ganz vorne gereicht hat - was zu erwarten war)
T1: 26sec (Mount-Line überlaufen, Wechsel selbst ok, keine Nachteile dadurch)
40,7km Rad (offiziell 40,5km): 1:15:51h (32,2km/h, NP 182W, Nonzero 172W, Average 167W - 3,25W/kg, 94U/min, alles trotz ca. 620Hm Höhenmeter sehr vergleichbar mit letztem Jahr, Schwankungen etwas größer,
Leistung pro Runde: 170/196/172/152/149W)
T2: 26sec (in Ordnung, erstmals auch vom fahrenden Rad abgestiegen :D)
5km Lauf: 19:06min (mit möglichst wenig Risiko fertiggelaufen)

Platzierung gesamt: 5.

Alle Ergebnisse gibts auf International Triathlon Union.