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ETU Duathlon European Championships Standard Distance Elite

Dieser Wettkampf im nordwestdeutschen Kalkar hatte zwei Gesichter für mich, die unterschiedlicher nicht hätten sein können :(
Begonnen hat es mehr als perfekt für mich, bei dem kleinen Starterfeld (letztes Jahr in Spanien wurden ja einige überrundet und damit aus dem Rennen genommen, ich fürchte, das hat doch die eine oder andere abgeschreckt :( ) und der flachen, windigen Radstrecke wars sehr wichtig, nicht alleine aufs Radl zu wechseln.

Mein Best-Case-Szenario war eine Top5-Platzierung, wobei ich befürchtet habe, dass sich eine 2er- bis 3er-Gruppe schon beim ersten Lauf 30-60sec herauslaufen wird. Das Hauptfeld hab ich mit 4-6 Athletinnen erwartet und dann ein paar Nachzüglerinnen.
Es kam aber völlig anders, meine Laufleistungen aus dem Training zeigten schon zuletzt, dass da echt was weitergegangen ist und plötzlich könnte ich mit der Führungsgruppe mitlaufen, noch dazu ziemlich problemlos (lauter 34-Mitte-bis-niedrig-auf-10km-solo-Läuferinnen). Eine niedrige 35er-Zeit mit 3:29min/km Schnitt laut meiner Uhr freut mich sehr.

Wir waren zu fünft, eingelaufen bin ich als Zweite in die Wechselzone, knapp vor unter anderem Sandra Levenez, mehrfache Europa- und Weltmeisterin im Duathlon ... diese hatte auch das Tempo gemacht, mit einigen Wechseln zwischendrin, die zwar nicht gerade "gemütlich", aber gut machbar für mich waren.
So ein Rennverlauf beflügelt natürlich ungemein, damit hätte ich (noch) nicht gerechnet und es ist einfach schön, wenn das nach all dem intensiven Training aufgeht.

Am Rad hat die Gruppe super zusammengearbeitet, belgischer Kreisel, alle haben engagiert mitgemacht um den Abstand zur Verfolgergruppe zu vergrößern. Aufgrund des deutlichen Windes und der flachen Strecke war das gut machbar, man konnte sich im Windschatten immer wieder gut erholen.

Leider fahren in so einer Gruppe nicht alle technisch so gut und so wurde vor den Kurven immer sehr stark gebremst - vor einer der Letzten der ersten von vier Radrunden besonders - für mich überraschend - stark. Da ich zu diesem Zeitpunkt gerade am Ende des Feldes war, musste ich so stark bremsen, dass mich mein Hinterrad schon halb überholt hat und beim Blockieren desselbigen hatte ich leider anscheinend das Pech, auf der bissl schmutzig-sandigen Strecke direkt auf einem Stein gebremst zu haben :(
Dank Latexschlauch war die Luft nicht sofort draußen, aber ich hab schnell gemerkt, dass etwas nicht stimmt und mein Reifen weich wird. Den 10cm langen Schnitt hab ich erst nach dem Absteigen bemerkt ...
Ich wollte dann noch zum Wheel Stop fahren, bei dem ich meine Trainingslaufräder abgegeben hab. Leider war dieser genau 5km entfernt :( Nachdem auch auf gerader Strecke mein Hinterrad Schlangenlinie gefahren ist, wollte ich nix weiter riskieren, auch, wenn ich in der Verfolgergruppe, so ich sie erwischt hätte (nur realistisch, wenn ich nicht gar so weit zu rollen gehabt hätte ...) sicher die stärkste Läuferin und damit immer noch Gesamt-Fünfte gewesen wäre.
Raddaten trotzdem (halt nur 18min und bissl mehr als 10km ...): NP 195W (2015: 175W, 2014: 169W), NonzeroAvg 198W (2015: 172W, 2014: 166W), Avg 187W (2015: 157W, 2014: 164W)

Das ist natürlich sehr bitter, ziemlich sichere Top5, vielleicht sogar das Podium wäre sich ausgegangen. Mit meiner momentanen Verfassung und den für mich günstigen Rennbedingungen (sehr wechselhaftes, regnerisches und kaltes Wetter, Wind, "echter" 10er als Laufstrecke und keine verkürzte Strecke, dafür aber sehr schnelle Radstrecke) wär da eine supergute Platzierung und auch ordentlich Preisgeld drinnen gewesen.
Es freut mich natürlich schon sehr, dass ich behaupten kann, in der europäischen Spitze angekommen zu sein und dass ich sicher nicht fehl am Platze war. Das macht dann auch richtig Spaß, wenn man viele ähnlich starke Konkurrentinnen um sich hat und das Rennen taktisch ist.
Auf der anderen Seite ist der Aufwand daheim im Training, jeden Tag, aber auch die Reise an sich inklusive Kosten halt schon ein großer Brocken, wenn man sich dann seinen "Lohn" dafür nicht holen kann. Das frustiert dann zumindest kurzzeitig.

Ich versuch, es positiv zu sehen - ich hab keinen Fehler gemacht, Erfahrungen gesammelt und die nächste Chance kommt dann in Form der Weltmeisterschaften in Spanien Anfang Juni!

Alle Ergebnisse gibts auf European Triathlon Union.

Fotos von Stefan Jeschke